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INTERVIEWS

... mit dem Posaunenchorleiter Dieter Schölpple, 

dem Kirchenchorleiter Wolfgang Junker und

den Organisten Heinz Lendl und Wolfgang Junker.

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Interview mit Dieter Schölpple, Posaunenchorleiter

Der Posaunenchor Nabern bereitet bei Gottesdiensten und anderen  Veranstaltungen große Freude durch die ansprechende Gestaltung von Musikstücken. Die Bläserinnen und Bläser verfügen über ein reichhaltiges Repertoir an Musik unterschiedlicher Stilrichtungen, das sie bei passenden Gelegenheiten gerne zu Gehör bringen.
Anlass genug, einmal genauer nachzufragen bei Dieter Schölpple, Posaunenchorleiter, wer sich hinter diesem Posaunenchor verbirgt:

Dieter, wie viele Musiker gibt es denn zur Zeit im Posaunenchor?

Wir sind ca. 15 Bläserinnen und Bläser.

Und wie viele verschiedene Instrumente werden gespielt?

Im Posaunenchor werden zurzeit fünf verschiedene Instrumente bei den Auftritten gespielt.

Spielen die Musiker mit den fünf unterschiedlichen Instrumenten nach speziellen Noten oder spielt ihr vierstimmige Lieder mit Sopran, Alt, Tenor und Bass?

Wir spielen üblicherweise aus Partiturnoten, d. h. alle Stimmen sind auf den Notenblättern dargestellt. Bei längeren oder vielstimmigen Stücken gibt es auch Noten für Einzelstimmen oder Noten getrennt nach hohen und tiefen Stimmen.

Das hört sich schon einigermaßen kompliziert an. Muss ich denn besondere Kenntnisse oder Fähigkeiten mitbringen, wenn ich im Posaunenchor einsteigen will?

Grundsätzlich kann jeder ein Blechblasinstrument erlernen. Man sollte jedoch im Lippenbereich ein vollständiges Gebiss haben. Außerdem sollten die Lippen durch Schwingungen einen Ton erzeugen können.

Muss ich mir ein Instrument kaufen oder kann ich eines ausleihen?

Wer beim Posaunenchor ein Instrument erlernen will, kann sich eines ausleihen. Wir haben ungefähr fünf derzeit nicht genutzte, spielbare Instrumente.

Im Posaunenchor sieht man junge und ältere Bläser bunt gemischt. Aber gibt es auch so etwas wie eine Altersgrenze?

Nach alter Erfahrung sollte ein Blechblasinstrument erst ab ca. 10 Jahren erlernt werden, da die Zähne einer gewissen Belastung ausgesetzt sind. Nach oben gibt es keine Altersgrenze.

Du meinst also, man muss sich da schon richtig reinbeißen, was? 🙂
Gibt es für „Neulinge“ auch eine Anfängergruppe?

Derzeit leider nein.

Was meinst du, würde es reichen, nur an den Proben mit zu spielen oder müsste ich zuhause zusätzlich üben?

Während der Lernphase eines Instruments sind Proben zuhause unerlässlich. Nach ca. zwei Jahren Bläserpraxis reicht die Zeit in den Proben außer es werden schwierige Stücke z. B. für ein Konzert eingeübt.

Werden im Posaunenchor nur Kirchenlieder gespielt oder auch modernere Lieder?

Wir blasen alte und neue Kirchenlieder, alte und neue freie Bläserstücke in unterschiedlichen Stilrichtungen und gelegentlich auch Volkslieder und Schlager.

Wie viele Auftritte im Jahr gibt es bei euch?

Der Posaunenchor hat ungefähr 15 Auftritte im Jahr.

Und was war bislang euer größter Auftritt oder die größte Herausforderung?

Bis vor drei Jahren hatten wir regelmäßig Konzertabende. Dies waren die größten Herausforderungen. Die größten Auftritte sind bei den Landesposaunentagen und bei den Bundesposaunentagen.

Wie viele Instrumente kannst du denn spielen, Dieter?

Derzeit nur gelegentlich eines, die Trompete.

Und wie lange bist du schon Posaunenchorleiter in Nabern?

Seit 1980, also 35 Jahre.

Ich denke, wer euch schon einmal spielen gehört hat, hat schon Lust auf mehr bekommen.Und wer gerne mitspielen möchte, darf das sicher gerne tun. Deshalb verrate uns bitte noch, wann und wo die Proben stattfinden?

Die Proben sind mittwochs von 20 Uhr bis 22 Uhr und sonntags von 10.30 bis 12 Uhr im Gemeindehaus.

Vielen Dank!

(Das Interview führte Diane Lübker.)

 

Interview mit Wolfgang Junker, Kirchenchorleiter

Wolfgang, du hast Musik studiert, am Schlossgymnasium in Kirchheim unterrichtet und hast vor einigen Jahren den Kirchenchor in Nabern übernommen.

Willst du zu deinem Werdegang noch etwas sagen?

Ich habe in Freiburg Schulmusik studiert, das ist eine sehr breite musikalische Ausbildung mit Klavier, Dirigieren, Gesang, Theorie, Musikgeschichte usw. Nach dem Referendariat in Mannheim bekam ich meine erste Stelle als Lehrer hier in Kirchheim. Meine Frau und ich haben eine Wohnung gesucht und der erste, der auf unsere Annonce geantwortet hat, war ein Naberner.

Wenige Wochen nach unserem Einzug fragte mich unser Vermieter, Gerhard Kapp, ob ich nicht den Naberner Gesangverein übernehmen wollte und ich sagte zu. Zwei Jahre kann man das ja vielleicht machen, dachte ich, da lernt man die Leute im Dorf etwas kennen. Aus den zwei Jahren wurden dann fast 20 Jahre!

Seit 1982 wohnen wir nun hier in Nabern (mittlerweile im eigenen Haus) und so lange unterrichte ich auch am Schlossgymnasium in Kirchheim. (Anm.: inzwischen ist Wolfgang Junker alt genug, nicht mehr in die Schule zu müssen.)

Was gab den Ausschlag für dich, den Kirchenchor in Nabern zu übernehmen?

Das war ein konkreter Anlass. Ich wurde zunächst nur als Aushilfe angefragt. Frau Ederle, die damals den Chor leitete, hatte sich an der Schulter verletzt und konnte nicht mehr dirigieren. Man hat mich daher gefragt, ob ich den Auftritt an Weihnachten 2007 übernehmen könnte. Da hatten wir eine Probe oder auch zwei. Nach Weihnachten war die Situation immer noch die gleiche und beide Seiten merkten wohl mit der Zeit, dass die „Chemie“ stimmte und so ging es eben weiter, Probe für Probe … bis heute.

Was ist für dich das Besondere am Kirchenchor Nabern?

Das ist eine schöne Frage. Ich habe ja immer schon eigene Chöre geleitet und auch viele fremde Chöre kennen gelernt (z.B. als Klavierbegleiter). Was ich an diesem Chor schätze, ist sowohl das Musikalische als auch das Menschliche. Es gibt hier eine wirklich harmonische Gemeinschaft, jedenfalls empfinde ich es so. Das ist wahrhaftig nicht immer so in Chören. Es gibt viele Chöre mit einzelnen „Störern“ oder kleinen Interessen-Grüppchen: Die einen sagen, wir machen das und die andern meinen, man sollte lieber was anderes singen, den einen gefällt die Nase des Chorleiters und den andern nicht…usw. Das ist hier anders. Die Atmosphäre hier ist durchweg freundlich, harmonisch und positiv.

Es wird ja auch viel zwischendurch gelacht.

Ja, das stimmt. Wie gesagt, eine positive, fröhliche und aufgeschlossene Gemeinschaft. Aufgeschlossen auch im musikalisch Sinne: Es gibt eine ganz große Vielfalt, was die musikalische Literatur angeht und eine große Bereitschaft, verschiedenartige Sachen sich vorzunehmen.

Und es gibt einfach richtig gute Leute im Chor, die wirklich auch schwere Passagen relativ locker und teilweise sogar vom Blatt absingen. Ich denke auch, wir haben eine recht große stilistische Bandbreite. Zwischendurch singen wir z.B. auch poppige Sachen (nur gegen das Englische gibt es dann auch mal Protest), also ein buntes Programm mit modernen und populären, klassischen oder ganz alten, kirchlichen oder weltlichen Liedern.

Auch „Der kleine grüne Kaktus“ wurde einmal probiert.

Ja genau, bis hin zu weiteren alten Schlagern wie „Schöne Isabella von Kastilien“ mit einem ziemlich schlüpfrigen Text (lacht) – ich weiß nicht, ob das jeder gemerkt hat -, aber das geht alles.

Wie viele Sängerinnen und Sänger gibt es zurzeit?

Es gibt acht Sopranistinnen, vier Altistinnen, drei Tenöre und drei Bässe. Also 18 Sängerinnen und Sänger. Natürlich könnten es ein paar mehr sein… allerdings sind die Stimmen von der Qualität her richtig gut verteilt. Denn in jeder Stimme gibt es jemanden, der ganz sicher ist und die Stimme anführen kann und die anderen „mitnimmt“, das ist viel wert. Auch das ist längst nicht in jedem Chor so. Ich kenne auch Chöre, da können die Männer singen, die Frauen nicht oder umgekehrt (lacht).

Müssen Neueinsteiger bei dir vorsingen oder irgendwelche Kenntnisse mitbringen?

Nein, natürlich müssen Neueinsteiger nicht vorsingen. Er oder sie wird sich in den Chor setzen und einfach versuchen, sich rein zu finden. Natürlich ist es günstig, wenn man etwas Noten lesen kann, aber das muss nicht ein. Auch wer schon einmal in einem anderen Chor gesungen hat, tut sich wahrscheinlich leichter, aber das muss alles nicht sein. Das Wichtigste ist die Freude am Singen und an der Gemeinschaft. Man probiert einfach und nach ein paar Wochen merkt man, das ist was für mich oder auch nicht.

Wie viele öffentliche Auftritte im Jahr gibt es und bei welchen Gelegenheiten?

Der Chor singt normalerweise einmal im Monat im Gottesdienst, das wird jedenfalls angestrebt, aber es gibt auch Ausnahmen. Wenn irgend möglich, gibt es zusätzlich mindestens einmal im Jahr ein extra Konzert des Chores. Manchmal auch mit einem anderen Chor zusammen. Die letzten beiden Konzerte hatten wir einmal mit dem Kinderchor und vor kurzem mit der „Chorwerkstatt Teck“ aufgeführt.

Was war für dich bislang der größte Auftritt mit dem Kirchenchor?

Der größte Auftritt war bisher, denke ich, die Aufführung mit dem 42. Psalm „Wie der Hirsch schreit“ von Mendelsohn in der Martinskirche sowie in einem zweiten Konzert in der Filderhalle in Leinfelden-Echterdingen. Da war im Rahmen eines Projekts mit meinem Lehrer-Eltern-Chor am Schlossgymnasium. Begleitet hat das Volkshochschulorchester Kirchheim.

Gibt es etwas, das du noch erwähnen möchtest?

Bleiben wir bei den Konzerten. Außer dem großen Mendelssohn-Konzert haben wir in den letzten Jahren auch einige kleinere, aber dennoch, wie ich finde, interessante und intensive „Themen“-Konzerte gemacht, z.B. mit dem Motto „Verleih uns Frieden“, auch mit gesprochenen Texten zum Thema Frieden. Oder eine geistliche Abendmusik im wörtlichen Sinne, also ein Konzert mit Abendliedern, ebenfalls inclusive Gedichte und Prosa zum Thema. Und das letzte Konzert stand unter dem Motto „Singet dem Herrn/Cantate Domino“, passend zum Sonntag Kantate.

Man muss eben immer sehen, was geht und was passt zum momentanen Zustand des Chores und mit 18 Chormitgliedern geht zwar nicht alles, aber doch vieles – dennoch wäre es natürlich schön, wenn der Chor sich noch etwas vergrößern würde.

Die Bandbreite ist trotzdem bunt gefächert.

Ja, das haben wir ja auch schon bei der Eröffnung der Gießnauhalle gezeigt oder beim Altennachmittag. Da werden dann natürlich nicht nur geistliche Sachen gesungen. Aber vorzugsweise natürlich schon. Schließlich sind wir ein Kirchenchor.

Zuletzt bei dem Konzert mit der „Chorwerkstatt Teck“ habe ich ja auch eine schöne Bandbreite an Liedern ausgesucht: vom 15. Jahrhundert bis zur Jazz-Motette.

Das hört sich alles sehr gut an, finde ich. Jetzt sag uns noch:
Wann und wo sind die Proben?

Die Proben sind immer im Gemeindehaus, donnerstags von 19:30 bis kurz nach 21:00 Uhr. Und neue Mitglieder sind natürlich stets willkommen und dürfen einfach vorbeikommen

Vielen Dank.

(Das Interview führte Diane Lübker, begeisterte Sängerin im Kirchenchor.)

 

Die Organisten

Heinz Lendl:

 

Wolfgang Junker:

Die Orgelmusik gehört zum Gottesdienst wie das Amen zum Gebet. Aber wer sitzt da eigentlich bei uns auf der Orgelbank und spielt? Wie kommt man überhaupt auf die Idee, Orgel spielen zu lernen? Und wie kommt man bei dem Thema Orgel auf die „Bonanza“-Titelmusik?

 

Herr Junker und Herr Lendl sind Organisten in Nabern, spielen während der Gottesdienste eine nicht unerhebliche Rolle und sind doch für die meisten Besucher unsichtbar. Ein Grund, weshalb ich die beiden gerne näher kennenlernen und mehr von Ihnen erfahren wollte. 

Meine erste Frage geht an Herrn Junker: Wie lange spielen Sie schon die Naberner Orgel?

Junker: Das müssen jetzt 20 Jahre sein, oder? In Nabern bin ich seit 34 Jahren. Und ich weiß, dass mein Sohn Johannes damals noch in der Grundschule war und auf der Orgel rumprobiert hat, als ich angefangen habe.

Und wie ist es bei Ihnen, Herr Lendl?

Lendl: Bei mir sind es ungefähr 40 Jahre. Als Schüler, so mit 15 oder 16 Jahren, habe ich angefangen, bei Ernst Leuze Orgelunterricht zu nehmen. Nach ein bis zwei Jahren spielte ich dann in den Gottesdiensten.

Wie sind Sie darauf gekommen, die Orgel als eines der schwierigsten Instrumente, spielen zu wollen?

Lendl: Genaugenommen bin gar nicht ich darauf gekommen, sondern der frühere Pfarrer von hier, Arnold Kuppler. Er kam oft zu uns ins Haus und spielte mit mir gerne vierhändig Klavier.

Irgendwann fragte er mich, ob ich nicht Lust hätte, Orgel zu spielen, was ich dann einfach bejahte. Nach meiner Konfirmation vermittelte mich daraufhin Pfarrer Kuppler zu Ernst Leuze nach Kirchheim, um Orgelunterricht zu bekommen.

Das heißt aber, dass Sie zuerst eine Prüfung dafür ablegen mussten?

Lendl: Nein. Wenn man selbst und Ernst Leuze der Meinung war, man könne in der freien Wildbahn spielen, dann konnte man spielen. Die C-Prüfung als Organist habe ich erst später, kurz vor dem Abitur, gemacht.

Und wie sind Sie zum Orgelspielen gekommen, Herr Junker?

Junker: Durch dich, Heinz, oder? Du hast mich da angeregt. Heinz Lendl war der Meinung, dass man in Nabern praktischerweise noch einen zweiten Organisten haben könnte.

Lendl: Ja, das stimmt. Und nicht nur einen Organisten für Nabern. Organisten waren damals schon Mangelware.

Haben Sie auch in Kirchheim Orgelunterricht gekommen, Herr Junker?

Junker: Ich hatte nie Orgelunterricht.

Lendl: Ja, wenn man gut Klavier spielt, kann man auch schnell Orgel spielen lernen.

Spielen Sie auch mit Händen, Füßen, Registern und Pedalen?

Junker: Ja, klar. Aber so richtig schwere ausgewachsene Orgelstücke könnte ich jetzt nicht spielen. Beziehungsweise liegt es vielleicht auch daran, dass ich in der Kirche sehr selten übe (lacht). Aber mittlerweile kann ich so die normalen Choräle und Kirchenlieder alle auch mit Pedal spielen. Auch ohne hinzugucken.

Lendl: Das ging aber auch nur, weil du ein Musikstudium auf dem Klavier mitgebracht hast. Sonst wäre das so nicht möglich.

Was ist das Besondere für Sie am Orgel spielen, Herr Lendl?

Lendl: Das Orgelspielen ist mir wichtig, nicht nur für die Gottesdienste, sondern weil es mir wirklich Spaß macht. Abends bin ich gerne auch mal für zwei Stunden in der leeren Kirche, spiele tolle Musik und genieße es, dass da kein Handy klingelt, man alles zuhause lassen kann und seine Ruhe hat.

Junker: Das werde ich jetzt auch machen, wenn ich im Ruhestand bin.

Wenn jemand Lust hätte auf der Naberner Orgel spielen zu lernen, ließe sich das machen?

Lendl: Ich könnte die Orgel gerne mal erklären, aber wenn jemand spielen lernen möchte, dann muss er sich mit dem Bezirkskantor, in diesem Fall mit Ralf Sach, in Verbindung setzen. Und die katholisch Interessierten bei Thomas Specker.

Ich habe im Internet von Organisten gelesen, die sich regelrecht beklagen, denn immer mehr Menschen würden in Organisten reine Dienstleister sehen. Als Beispiel wurde ein Brautpaar genannt, das den Wunsch hatte, zum Einzug in die Kirche die Bonanza-Titelmusik gespielt zu bekommen.

 (Herr Junker summt sofort drauf los: Dum diri dum diri dum diri dum diri dmm dmmmm)

Lendl: Bei mir wollte jemand diese Musik für eine Beerdigung…..

Und was sagten Sie dazu? Haben Sie sich darauf eingelassen?

Lendl: Nein. Ich wand mich erst einmal und gab zu bedenken, dass es ja eine Orchestermusik sei und es dafür keine Klaviernoten gebe. Damit hoffte ich, dass sie einlenken würden. Das Brautpaar wollte dann aber die Musik mittels eines CD-Players abspielen. Schließlich griff dann doch der Pfarrer ein, sodass es schlussendlich hieß, ich solle spielen, was ich für richtig halte.

Junker: Also wenn jemand wirklich auf die Bonanza-Titelmusik bestehen würde, dann könnte man auch einfach sagen: „nein“. Andererseits kann man es natürlich verstehen, wenn irgendein Lieblingslied des Verstorbenen gewünscht wird, ob es nun passt oder nicht. Die Tatsache, dass es eine Lieblingsmusik war, hat sicherlich eine gewisse Berechtigung bei einer Beerdigung. Das macht man dann schon, wenn´s geht.

Lendl: Ja. Aber es gibt Grenzen. Also bei der Bonanza-Melodie war der verstorbene Mann einfach nur Westernfan und die Angehörigen wollten die Musik als Begleitung, wenn der Sarg hereingefahren wird. Also ganz unerträglich.

Und wenn Sie für so Sonderwünsche extra Noten beschaffen müssen, vielleicht auch extra üben, wie ist das dann finanziell? Stellen Sie eine Rechnung oder ist das alles mit der Kirchensteuer abgegolten?

Junker: Das ist sehr unterschiedlich. Ich hab mich da schon mehrfach darauf verlassen, dass die Leute wissen, dass man da einen zusätzlichen Aufwand hat. Es gab auch schon extreme Fälle. Einmal hatte ich mit einem Trompeter zusammen in mehreren Proben fünf Stücke eingeübt, trug diese dann in einer weiteren Extra-Sitzung dem Brautpaar vor, so dass sie sich am Schluss zwei davon aussuchen konnten. Man sollte denken, es ist selbstverständlich, dass der stundenlange Aufwand entlohnt wird. Aber auf diese Idee kam in diesem Fall leider niemand.

Ich hatte auch schon mal eine Rechnung geschrieben und schlicht keine Antwort bekommen. Da wird für alles Mögliche Geld ausgegeben, für den Fotografen, den Blumenschmuck, das Brautauto und was weiß ich. Aber für die Kirche bleibt nichts übrig.

Ach, Hochzeiten sind sowieso speziell. (lacht)

Mittlerweile wissen die Leute auch aus dem Internet, was „geeignete“ Orgelvorspiele sind. Aber sie wissen natürlich nicht, wie schwer die Stücke sind und ob sie überhaupt auf einer kleinen Orgel spielbar sind.

Lendl: Ja, die Leute hören das Stück von irgendeiner Domorgel und sind dann ganz enttäuscht, wenn die Orgel zuhause einen viel schmäleren Sound, nicht den Nachhall und nicht die Wirkung hat, die sie sich vorstellen.

Junker: Es ist schon angenehm, wenn von der Kirche her möglichst viel organisiert wird. Gut finde ich, wenn mir gleich mitgeteilt wird, es kommt beispielsweise noch ein Saxophonist dazu, der begleitet werden will und man hat ihm schon mitgeteilt, dass dafür ein bestimmtes Extra-Honorar üblich ist.

Das Orgelspiel wird bei den Gottesdienstbesuchern in Nabern aber sehr hoch geschätzt. Hier bleiben die Besucher gerne auch zum Nachspiel noch sitzen. Manchmal bekommen Sie sogar Beifall. Wie kommt das bei Ihnen an?

Junker: Ja, das ist schon sehr angenehm. Und natürlich freut man sich über Extra-Beifall!  Das Gegenteil ist, wenn man ein Nachspiel hat und man spielt wirklich ein schönes und begeisterndes Stück und je lauter man spielt, desto lauter reden die Leute und kein Mensch hört zu.

In manchen Kirchen habe ich wirklich keine Lust, ins Nachspiel noch irgendetwas zu investieren. Deshalb finde ich es im Prinzip schon gut, wenn die Leute auch während des Nachspiels sitzen bleiben.

Spielen Sie auch oft in den Nachbargemeinden Orgel?

Junker: Ja, mal in Neidlingen, mal in Hepsisau…

Lendl: mal in Ochsenwang und Bissingen, …

Junker: oder in der Thomaskirche und im Krankenhaus. Wir haben hier so etwa acht Standorte insgesamt.

Gibt es einen Sonntag bei Ihnen, der frei ist?

Lendl: Wenn man verreist ist (lacht). Mehr als zwei freie Sonntage im Jahr – wenn ich nicht verreist bin – habe ich nicht. Aber das stört mich auch nicht.

Gibt es also auch hier ein ungeklärtes Nachwuchsproblem?

Lendl: Das ganz sicher, ja. Aber nicht nur in Nabern, sondern generell. Es lernen wenig Jugendliche Orgel spielen.

Weil es vielleicht auch zu kompliziert ist?

Junker: Das und weil es in der Kirche allgemein ein Nachwuchsproblem gibt.

Aber das ist ein anderes Thema. Deshalb lassen wir es an dieser Stelle jetzt gut sein.

Ich danke Hr. Junker und Hr. Lendl ganz herzlich für das Gespräch und freue mich schon auf die nächsten Gottesdienste, bei denen die Orgel wieder gespielt wird.

Das Interview führte Diane Lübker.