Kirche unter der Lupe – Interwiews

KIRCHE UNTER DER LUPE

Willkommen auf dieser besonderen Seite. Hier berichten wir von und mit Menschen aus unserer Kirchengemeinde. Die unterschiedlichen Geschichten sind wirklich lesenswert. Wir wünschen viel Spaß dabei.

Bislang haben wir die Geschichte des Altenkreises, ein Interview mit den Naberner Organisten, ein Interview mit Claudia Nothelfer über "die Kiste" und einen Bericht über einen Besuch bei der Strickgruppe.

Altenkreis

Die vier Leiterinnen des Altenkreises haben sich 2017 auf ein Interview mit Diane Lübker eingelassen. Interessant ist nicht nur die lange und bewegte Geschichte des Altenkreises, sondern auch, wie die vier Leiterinnen mit Herausforderungen, Freude und Enttäuschung umgehen und nach mehr als 40 Jahren Altenkreis keine Spur von Burn-out zu erkennen ist.

Schon oft dachte ich, wie gerne ich bei dem einen oder anderen Programmpunkt des Altenkreises mit dabei sein würde, wenn über das Gemeindeblatt oder im Gottesdienst dazu eingeladen wird. Aber die Zeit macht mir einen Strich durch die Rechnung.
Zum einen finden die Treffen Mittwoch nachmittags statt, da bin ich noch bei der Arbeit und zum anderen bin ich noch nicht alt genug für den Altenkreis.

Ab wann darf man eigentlich zum Altenkreis dazu stoßen ? Wer ist überhaupt „der Altenkreis“? Und wer steckt hinter dem interessanten und abwechslungsreichen Programm? Diese und ähnliche Fragen schwelen schon lange bei mir, aber ich brauchte tatsächlich einen Anstoß, um mich aufzumachen und nachzufragen.

Der Anstoß kam eines Tages ganz unvermittelt und direkt vom Team des Altenkreises.
Nachdem sie mein Interview mit der Strickgruppe gelesen hatten, sprachen sie mich an und meinten, dass ein Interview mit dem Altenkreis auch interessant sein könnte. Da rannten sie bei mir natürlich offene Türen ein und wir vereinbarten einen Gesprächstermin.

Nun sitzen Frau Ziegler, Frau Ratka, Frau Jäger und Frau Weber mit mir um einen Tisch und warten höflich auf meine Fragen. Zunächst fallen die Antworten recht kurz und knapp aus. Erst im Laufe des Gespräches und als sich mein Tonbandgerät verabschiedet hatte (mangels zu geringer Batterieleistung), wird das Gespräch lockerer, lebhafter und an manchen Stellen das Lachen lauter.

Einmal im Monat findet der Altenkreis statt. Wie lange ist das schon so?

Die Damen müssen nicht lange überlegen. Sie kennen sich aus in der Geschichte des Altenkreises. „Seit 1974 gibt es die Treffen – das sind inzwischen 43 Jahre“ antworten sie mit ein bisschen Stolz in der Stimme. Gudrun Fischer hatte damals damit angefangen.
Wer nach dem Beginn des Altenkreises fragt, der kommt an Gudrun Fischer nicht vorbei. Sie war es, die damals erkannte, dass so ein Treffpunkt in der Gemeinde fehlte, die alles ins Rollen brachte und über viele Jahre hinweg die Treffen organisierte und alles zusammenhielt. Und irgendwie prägt sie den Kreis bis heute.

Seit wann organisieren Sie als Vierer-Team die Treffen des Altenkreises?

Wie schon erwähnt, fallen die Antworten zunächst kurz und knapp aus. Gisela Jäger und Christl Weber sind seit 1990 im Team. Ursel Ziegler ist seit 1995 dabei.
1999 übernahmen Anneliese Lupke und Ursel Ziegler die Leitung des Altenkreises nachdem Gudrun Fischer nach 25 Jahren die Leitung abgab.
Anita Ratka kam 2008 dazu, nachdem Anneliese Lupke leider im Jahr 2008 verstorben ist.
Die Damen nennen diese Jahreszahlen fast beiläufig, ganz so, als ob es nichts Besonderes wäre. Aber ich ziehe unmerklich die Luft ein. Ich sitze also vier Frauen gegenüber, die – für mich unvorstellbar lange - ehrenamtlich zusammenarbeiten, viel bewegt und miteinander erlebt haben und dabei ganz und gar nicht ausgelaugt wirken. Das finde ich erstaunlich.

Wenn Sie eine Überschrift über die vielen Jahre Altenkreis finden müssten, wie würde sie lauten?

Nach kurzer Überlegung sind sich die vier einig. Die Überschrift würde lauten: „Eine Erfolgsgeschichte“.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Gibt es ein oder mehrere Ereignisse aus den zurückliegenden Jahren, die in irgendeiner Form heraus ragen?

„Das 40-jährige Jubiläum“, antworten alle vier.

„Bei dem Jubiläum hatten wir einen umfassenden Rückblick über die vergangenen Jahrzehnte zusammengetragen, was recht aufwändig, aber auch hochinteressant war und sehr gut ankam“, ergänzt Frau Weber.
Das Jubiläum wurde an zwei Nachmittagen gefeiert, da ein Nachmittag nicht ausreichte, um die vielen Bilder zu zeigen. Anhand einer Landkarte wurde an all die Ausflugsorte erinnert, die man schon miteinander besucht hatte. Früher organisierte das Ehepaar Fischer auf das Beste alle Ausflüge und Herr Fischer gab viel Wissenswertes an die Teilnehmer weiter.
Viele Ehrengäste von nah und fern ließen sich zu den Jubiläums-Nachmittagen einladen und man hatte sich viel zu erzählen.
Jede der vier Mitarbeiterinnen weiß noch eine ganze Menge zur Jubiläumsfeier zu berichten und schon kramen sie in Frau Webers mitgebrachten Alben nach Erinnerungsfotos.
Wer da noch alles darauf zu sehen ist! Auch Menschen, die inzwischen ins Altenheim gezogen oder gestorben sind. Selbst solche Erinnerungen teilen die vier ohne Bedauern oder Trauer in der Stimme. Sie scheinen es als Teil des Lebens zu nehmen, dass die eine oder andere vorweg geht.

  • Anmerkung: Am Ende des Interviews können Sie die Festschrift lesen - es lohnt sich.

In wie weit beeinflusst Geld Ihre Ideen bzw. Ihre Programmgestaltung?

 „Eine Kasse gibt es natürlich“, erklären sie mir. Die Kosten für Referenten, Bewirtung usw. werden aus dieser Kasse bezahlt. Die Teilnehmer beteiligen sich am Ende des Nachmittages mit einer Spende. Und der Altenkreis bekommt von der Kirchengemeinde einen jährlichen Zuschuss.

„Altenkreis – „Altenclub“ – „Altenkreis“, viel Veränderung, zumindest was den Namen Ihrer Treffen ausmacht, gab es in all den Jahren nicht. Oder täuscht der Eindruck?

An dem Namen wurde tatsächlich immer mal wieder herum überlegt. Aber „Altenkreis“ passt einfach, genauso wie „Jugendkreis“ oder „Familienkreis“ passt. Jeder versteht auf Anhieb, was gemeint ist.

Was fällt Ihnen leicht? Und was fällt Ihnen schwer?

Einen Altenkreis zu organisieren scheint kinderleicht zu sein, wenn man die Vier so reden hört und ich bin gespannt, ob der Eindruck nicht doch auch täuscht?

Frau Ratka erklärt, dass alle Aufgaben gut untereinander aufgeteilt sind. Es ist klar, wer die Tischdekoration macht, wer Kaffee kocht, wer die Kuchen vom Aussiedlerhof besorgt und so weiter. Und wenn wir das Programm ausarbeiten, sind Herr Pfr. Bosler und Teilnehmer aus dem Altenkreis mit dabei.
„Wir wissen, dass wir uns absolut aufeinander verlassen können und dass es auch nächstes Mal wieder reibungslos laufen wird. Das macht einfach Spaß“, ergänzen die Damen noch.

Und was fällt schwer, frage ich neugierig? Den Damen fällt auf Anhieb gar nichts dazu ein.
Aber dann kommt ihnen das alljährliche Sommerfest in den Sinn. Sie erklären mir, dass es schon ein sehr großes Engagement, auch von einigen hilfsbereiten Männern erfordert, das Sommerfest auszurichten. Schließlich soll es da an nichts fehlen. Und so werden jedes Jahr erneut Bierbänke und –tische von zu Hause in den Gemeindehausgarten geschleppt, die Tischdekoration passend und ansprechend gestaltet und das Buffet liebevoll vorbereitet.
Sogar an die Sonnenschirme wird gedacht. Die sperrigen und schweren Teile mit ihren noch schwereren Ständern werden aus allen Ecken Naberns hertransportiert, damit sich die Altenkreisler richtig wohlfühlen können. Sicher kommen dann bei dem ein oder anderen auch Urlaubsgefühle auf.

Und dann ist es schon oft passiert, dass ein Sturm oder Gewitter aufzieht und die Altenkreisler doch lieber ins schützende Gemeindehaus umziehen.

Scheitern ist ein wichtiges Thema im Leben eines jeden. Im Jahr 2012 sind auch Sie mit dem Altenkreis ein Stück weit gescheitert – ein geplanter Ausflug musste kurzfristig abgesagt werden mangels Teilnehmern. Sie haben jedoch einen Weg gefunden, damit umzugehen. Können Sie dazu etwas sagen?

„Ja das war enttäuschend, als sich zu wenig Teilnehmer anmeldeten“, bestätigen sie mir. „Der Ausflug musste ausfallen. Aber das Thema hatten wir trotzdem, nur eben im Naberner Gemeindehaus. Und für das nächste Mal ließen wir uns etwas einfallen.
Da haben wir, auf Vorschlag von Herrn Pfr.Bosler, die Konfirmandengruppe mitgenommen und alle Gemeindeglieder, die Lust und Zeit hatten mitzukommen – und der Omnibus war voll besetzt.
Inzwischen werden keine Ausflüge mehr geplant, da der Teilnehmerkreis immer kleiner wird.“

Einmal musste auch ein Referent ganz kurzfristig absagen. Seitdem haben die Damen immer was im Ärmel für den Fall der Fälle. „Reiseberichte die gehen immer“, meinen sie.

Mir gefällt, wie flexibel die vier sind und dabei niemals ihr Ziel aus den Augen verlieren, nämlich allen Teilnehmern jedes Mal ein schönes Treffen zu ermöglichen.

Was motiviert Sie, auch nach so vielen Jahren noch immer im Altenkreisteam mitzumachen?

Frau Jäger führt das abwechslungsreiche Programm auf und fügt hinzu: „Da nehmen wir selbst auch immer viel mit“.
Und Frau Ratka gefällt, wie sehr sich die Altenkreisler über die Treffen freuen können und schätzt auch das gemeinsame Singen.
Alle vier Damen genießen es außerdem, dass sie von Anfang bis Ende bei jedem Programm mit dabei sind und nicht das Bedien- oder Küchenpersonal spielen.
Im Grunde ist dem Team aber die Dankbarkeit und Wertschätzung der Altenkreisler die Motivation schlechthin. „Und weil einem die Altenkreisler richtig ans Herz wachsen, kann und will man gar nicht mehr aufhören“, erklären sie mir.

Eine kurze Pause entsteht. Dann sagt eine noch, dass die Harmonie zwischen ihnen eine große Rolle spielt. Schön ist es, dass Worte zwischen ihnen niemals auf die Goldwaage gelegt werden müssen und sie miteinander überhaupt keinen Stress haben.

Wie gut das Klima im Altenkreis tatsächlich ist, lässt sich auch an der Tatsache ablesen, dass es im Altenkreis in 43 Jahren nur einen Wechsel in der Leitung gegeben hatte, nämlich von Gudrun Fischer (1974 – 1999) zu Ursel Ziegler (ab 1999). Das ist wirklich bemerkenswert!

Was würden Sie jemandem mit auf den Weg geben, der selbst eine Gruppe oder ein Treffen organisieren möchte?

„Einer allein sollte so eine Aufgabe nicht anfangen“ meint Frau Weber, „es braucht dazu ein Team. Schließlich schüttelt man so etwas nicht einfach aus dem Ärmel.“

Bei meiner nächsten Frage bin ich auf die Reaktion der Damen wirklich gespannt, denn ich habe schon ältere Menschen gesprochen, die damit gar nichts mehr anfangen können:

Haben Sie Ziele, Visionen, Träume, Wünsche, Vorstellungen für die Zukunft?

Frau Weber nennt mir in ihrer pragmatischen Art ein Einfaches „Weiter so.“
Frau Ziegler hat ein klares Ziel vor Augen und erklärt: „Mehr Besucher könnten schon kommen.“
Für Frau Jäger ist wichtig, „dass wir alle gesund bleiben und dass es weiter geht. Und dass eine Nachfrage da ist.“
„Ja, dass auch mehr Männer sich trauen“, ergänzt Frau Ratka. „Männer waren immer in der Unterzahl“.

Es gibt, so berichten sie weiter, einen treuen Stamm von Teilnehmern, die immer da sind und solche, die unregelmäßig dabei sind und sich trotzdem wohlfühlen. Ein Kreis also, der sich völlig problemlos und ständig erweitern lässt. Offenheit und Ökumene sind für das Team wichtig und sowieso selbstverständlich.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich alles weiter entwickeln wird, was die Damen noch auf die Beine stellen werden und wünsche Ursel Ziegler, Christl Weber, Anita Ratka und Gisela Jäger, dass der Altenkreis noch viele weitere Erfolgsgeschichten schreibt.

Für das Gespräch bedankt sich Diane Lübker.

Festschrift: 40 Jahre Altenkreis Nabern

Ja – er heißt wirklich so – noch immer –

Und dies ist seine Geschichte:

Am 29. September 1971, während eines Gemeindeabends im „Hirsch“ regte ein Teilnehmer an, man möge doch auch etwas für die Alten tun, z.B. einen Ausflug machen. „Dies ließ mir keine Ruhe“, schreibt Gudrun Fischer in ihren Aufzeichnungen und organisierte in gerade mal 16 Tagen eine „Herbstfahrt der Alten unserer Gemeinde“. Nach zwei weiteren Ausflugsfahrten in den folgenden Jahren begannen im Winterhalbjahr 1973/74 die Altennachmittage im Alten Kindergarten unter der verantwortlichen Leitung von Herrn Pfarrer Kuppler. Es wurden „alle älteren Gemeindeglieder ohne Begrenzung des Jahrgangs“ einmal im Monat, an einem Dienstagnachmittag, eingeladen.

„Träger des Kreises ist die Evangelische Kirchengemeinde Nabern. Jede Zusammenkunft hat ein besonderes Thema. Die Nähe zur Kirche wird teils durch die verantwortlichen Personen, teils durch die Einbindung des Programms in den Kirchlichen Jahresablauf vermittelt. Es gibt Nachmittage der Geselligkeit, der Besinnlichkeit und der Information“. So lesen wir weiter in den Aufzeichnungen von Gudrun Fischer. Der ökumenische Gedanke war von Anfang an maßgebend. An all dem hat sich bis heute nichts geändert.

Im Februar 1974 wurde eine Idee von Herrn Pfarrer Kuppler verwirklicht. Er kam zusammen mit den Konfirmanden und ihren Eltern in den Alten Kindergarten. Sie gestalteten den Nachmittag und sorgten für Kaffee und Kuchen. Dies wurde zur Tradition. Jedes Jahr freuen wir uns auf die neue Konfirmandengruppe. Ausflüge, meist ein Tagesausflug im Frühsommer und ein Halbtagesausflug im Herbst, wurden zu festen Bestandteilen im Programm des „Altenclubs“, wie der Kreis nun benannt wurde.

Als Helferinnen in den ersten Jahren sind bekannt: Frau Martha Gall, Frau Ruth Schölpple, Frau Frank, Frau Gattnar, Frau Zaiser, Frau Greiner und Frau Mayser. Frau Mayser hält dem Altenkreis bis heute die Treue – 40 lange Jahre.

1977 wurde offenbar über einen neuen Namen nachgedacht. Der Begriff „Senioren“ tauchte auf, begeisterte aber nicht. Beim ersten Sommerfest im August 1977 entschieden sich die Teilnehmer in einer Abstimmung für „Altenkreis“.

Ende 1980 verließ Herr Pfarrer Kuppler Nabern. Gudrun Fischer verantwortete die Geschicke des Altenkreises nun alleine, bis sich (Zitat) „Herr Pfarrer Gehrung samt Frau und Vogel“ vorstellten.

1987 feierte die Gemeinde den 500. Geburtstag ihrer Johanneskirche. Auch im Altenkreis war dies ein Thema, dem sich Herr Friedrich Fischer annahm. In all den Jahren war er für Geschichtliches (und Gereimtes) zuständig und führte den Altenkreis bei Ausflügen mit viel Wissen durch Städte und Landschaften.

Anfang 1988 verstarb unerwartet Herr Pfarrer Gehrung. Beim Adventsnachmittag im Dezember lernten wir seinen Nachfolger, Herrn Pfarrer Bachteler, kennen.

Nach 25 Jahren und unzähligen Stunden des Planens, Vorbereitens, Durchführens und Nacharbeitens der Altenkreisnachmittage gab Gudrun Fischer 1999 ihr Amt in jüngere Hände. Es ging nahtlos weiter: Ursula Ziegler und Anneliese Lupke übernahmen zusammen die Leitung.

Im Februar 2006 musste auch der Altenkreis den gewohnten Ort „Alter Kindergarten“ verlassen und vorübergehend in den Bürgersaal im Rathaus umziehen. Auch ein Pfarrerwechsel fiel in diese Zeit. Herr Pfarrer Bosler folgte nach einem Jahr Vakanz Herrn Pfarrer Bachteler im Amt nach.

Im Feburar 2008 trauerten wir alle um Anneliese Lupke, sie verstarb nach schwerer Krankheit.

Auch räumlich stand wieder eine Änderung an. Zum „Adventlichen Nachmittag 2008“ zogen wir in das neu erbaute Gemeindehaus ein, in dem wir uns seitdem richtig wohlfühlen.

Im Juni 2012 trat erstmals in der Geschichte des Altenkreises der Fall ein, dass ein geplanter Ausflug kurzfristig abgesagt werden musste – wegen mangelnder Anmeldungen. Eine spannende Lösung bahnte sich an. Warum nicht Alt und Jung zusammen?

Herr Pfarrer Bosler machte den Vorschlag, dass beim nächsten Ausflug die Konfirmandengruppe und Gemeindeglieder, die Lust und Zeit an einem Mittwochnachmittag haben, den Altenkreis begleiten. Der Omnibus war voll besetzt. Der „Gemeindeausflug“ war ein Erfolg. Aufgrund der Altersstruktur des Altenkreises (derzeitiger Altersdurchschnitt 85 Jahre) und der dadurch immer geringer werdenden Teilnehmerzahl ist ein Ausflug zusammen mit anderen Gruppen eine Möglichkeit, die Tradition weiter zu führen.

Und noch eine Veränderung ist auffallend: Während in früheren Jahren viele Fahrräder vor dem Alten Kindergarten geparkt wurden – Referenten waren manchmal irritiert und meinten, eine Jugendgruppe anzutreffen – sind es heute zunehmend die praktischen Rollatoren, die den Weg ins Gemeindehaus ermöglichen. Immer ist die Freude des Begegnens sehr groß.

 

 

Die Organisten

Heinz Lendl:

 

Wolfgang Junker:

Die Orgelmusik gehört zum Gottesdienst wie das Amen zum Gebet. Aber wer sitzt da eigentlich bei uns auf der Orgelbank und spielt? Wie kommt man überhaupt auf die Idee, Orgel spielen zu lernen? Und wie kommt man bei dem Thema Orgel auf die „Bonanza“-Titelmusik?

Herr Junker und Herr Lendl sind Organisten in Nabern, spielen während der Gottesdienste eine nicht unerhebliche Rolle und sind doch für die meisten Besucher unsichtbar. Ein Grund, weshalb Diane Lübker die beiden gerne näher kennenlernen und mehr von Ihnen erfahren wollte. 

Meine erste Frage geht an Herrn Junker: Wie lange spielen Sie schon die Naberner Orgel?

Junker: Das müssen jetzt 20 Jahre sein, oder? In Nabern bin ich seit 34 Jahren. Und ich weiß, dass mein Sohn Johannes damals noch in der Grundschule war und auf der Orgel rumprobiert hat, als ich angefangen habe.

Und wie ist es bei Ihnen, Herr Lendl?

Lendl: Bei mir sind es ungefähr 40 Jahre. Als Schüler, so mit 15 oder 16 Jahren, habe ich angefangen, bei Ernst Leuze Orgelunterricht zu nehmen. Nach ein bis zwei Jahren spielte ich dann in den Gottesdiensten.

Wie sind Sie darauf gekommen, die Orgel als eines der schwierigsten Instrumente, spielen zu wollen?

Lendl: Genaugenommen bin gar nicht ich darauf gekommen, sondern der frühere Pfarrer von hier, Arnold Kuppler. Er kam oft zu uns ins Haus und spielte mit mir gerne vierhändig Klavier.

Irgendwann fragte er mich, ob ich nicht Lust hätte, Orgel zu spielen, was ich dann einfach bejahte. Nach meiner Konfirmation vermittelte mich daraufhin Pfarrer Kuppler zu Ernst Leuze nach Kirchheim, um Orgelunterricht zu bekommen.

Das heißt aber, dass Sie zuerst eine Prüfung dafür ablegen mussten?

Lendl: Nein. Wenn man selbst und Ernst Leuze der Meinung war, man könne in der freien Wildbahn spielen, dann konnte man spielen. Die C-Prüfung als Organist habe ich erst später, kurz vor dem Abitur, gemacht.

Und wie sind Sie zum Orgelspielen gekommen, Herr Junker?

Junker: Durch dich, Heinz, oder? Du hast mich da angeregt. Heinz Lendl war der Meinung, dass man in Nabern praktischerweise noch einen zweiten Organisten haben könnte.

Lendl: Ja, das stimmt. Und nicht nur einen Organisten für Nabern. Organisten waren damals schon Mangelware.

Haben Sie auch in Kirchheim Orgelunterricht gekommen, Herr Junker?

Junker: Ich hatte nie Orgelunterricht.

Lendl: Ja, wenn man gut Klavier spielt, kann man auch schnell Orgel spielen lernen.

Spielen Sie auch mit Händen, Füßen, Registern und Pedalen?

Junker: Ja, klar. Aber so richtig schwere ausgewachsene Orgelstücke könnte ich jetzt nicht spielen. Beziehungsweise liegt es vielleicht auch daran, dass ich in der Kirche sehr selten übe (lacht). Aber mittlerweile kann ich so die normalen Choräle und Kirchenlieder alle auch mit Pedal spielen. Auch ohne hinzugucken.

Lendl: Das ging aber auch nur, weil du ein Musikstudium auf dem Klavier mitgebracht hast. Sonst wäre das so nicht möglich.

Was ist das Besondere für Sie am Orgel spielen, Herr Lendl?

Lendl: Das Orgelspielen ist mir wichtig, nicht nur für die Gottesdienste, sondern weil es mir wirklich Spaß macht. Abends bin ich gerne auch mal für zwei Stunden in der leeren Kirche, spiele tolle Musik und genieße es, dass da kein Handy klingelt, man alles zuhause lassen kann und seine Ruhe hat.

Junker: Das werde ich jetzt auch machen, wenn ich im Ruhestand bin.

Wenn jemand Lust hätte auf der Naberner Orgel spielen zu lernen, ließe sich das machen?

Lendl: Ich könnte die Orgel gerne mal erklären, aber wenn jemand spielen lernen möchte, dann muss er sich mit dem Bezirkskantor, in diesem Fall mit Ralf Sach, in Verbindung setzen. Und die katholisch Interessierten bei Thomas Specker.

Ich habe im Internet von Organisten gelesen, die sich regelrecht beklagen, denn immer mehr Menschen würden in Organisten reine Dienstleister sehen. Als Beispiel wurde ein Brautpaar genannt, das den Wunsch hatte, zum Einzug in die Kirche die Bonanza-Titelmusik gespielt zu bekommen.

 (Herr Junker summt sofort drauf los: Dum diri dum diri dum diri dum diri dmm dmmmm)

Lendl: Bei mir wollte jemand diese Musik für eine Beerdigung…..

Und was sagten Sie dazu? Haben Sie sich darauf eingelassen?

Lendl: Nein. Ich wand mich erst einmal und gab zu bedenken, dass es ja eine Orchestermusik sei und es dafür keine Klaviernoten gebe. Damit hoffte ich, dass sie einlenken würden. Das Brautpaar wollte dann aber die Musik mittels eines CD-Players abspielen. Schließlich griff dann doch der Pfarrer ein, sodass es schlussendlich hieß, ich solle spielen, was ich für richtig halte.

Junker: Also wenn jemand wirklich auf die Bonanza-Titelmusik bestehen würde, dann könnte man auch einfach sagen: „nein“. Andererseits kann man es natürlich verstehen, wenn irgendein Lieblingslied des Verstorbenen gewünscht wird, ob es nun passt oder nicht. Die Tatsache, dass es eine Lieblingsmusik war, hat sicherlich eine gewisse Berechtigung bei einer Beerdigung. Das macht man dann schon, wenn´s geht.

Lendl: Ja. Aber es gibt Grenzen. Also bei der Bonanza-Melodie war der verstorbene Mann einfach nur Westernfan und die Angehörigen wollten die Musik als Begleitung, wenn der Sarg hereingefahren wird. Also ganz unerträglich.

Und wenn Sie für so Sonderwünsche extra Noten beschaffen müssen, vielleicht auch extra üben, wie ist das dann finanziell? Stellen Sie eine Rechnung oder ist das alles mit der Kirchensteuer abgegolten?

Junker: Das ist sehr unterschiedlich. Ich hab mich da schon mehrfach darauf verlassen, dass die Leute wissen, dass man da einen zusätzlichen Aufwand hat. Es gab auch schon extreme Fälle. Einmal hatte ich mit einem Trompeter zusammen in mehreren Proben fünf Stücke eingeübt, trug diese dann in einer weiteren Extra-Sitzung dem Brautpaar vor, so dass sie sich am Schluss zwei davon aussuchen konnten. Man sollte denken, es ist selbstverständlich, dass der stundenlange Aufwand entlohnt wird. Aber auf diese Idee kam in diesem Fall leider niemand.

Ich hatte auch schon mal eine Rechnung geschrieben und schlicht keine Antwort bekommen. Da wird für alles Mögliche Geld ausgegeben, für den Fotografen, den Blumenschmuck, das Brautauto und was weiß ich. Aber für die Kirche bleibt nichts übrig.

Ach, Hochzeiten sind sowieso speziell. (lacht)

Mittlerweile wissen die Leute auch aus dem Internet, was „geeignete“ Orgelvorspiele sind. Aber sie wissen natürlich nicht, wie schwer die Stücke sind und ob sie überhaupt auf einer kleinen Orgel spielbar sind.

Lendl: Ja, die Leute hören das Stück von irgendeiner Domorgel und sind dann ganz enttäuscht, wenn die Orgel zuhause einen viel schmäleren Sound, nicht den Nachhall und nicht die Wirkung hat, die sie sich vorstellen.

Junker: Es ist schon angenehm, wenn von der Kirche her möglichst viel organisiert wird. Gut finde ich, wenn mir gleich mitgeteilt wird, es kommt beispielsweise noch ein Saxophonist dazu, der begleitet werden will und man hat ihm schon mitgeteilt, dass dafür ein bestimmtes Extra-Honorar üblich ist.

Das Orgelspiel wird bei den Gottesdienstbesuchern in Nabern aber sehr hoch geschätzt. Hier bleiben die Besucher gerne auch zum Nachspiel noch sitzen. Manchmal bekommen Sie sogar Beifall. Wie kommt das bei Ihnen an?

Junker: Ja, das ist schon sehr angenehm. Und natürlich freut man sich über Extra-Beifall!  Das Gegenteil ist, wenn man ein Nachspiel hat und man spielt wirklich ein schönes und begeisterndes Stück und je lauter man spielt, desto lauter reden die Leute und kein Mensch hört zu.

In manchen Kirchen habe ich wirklich keine Lust, ins Nachspiel noch irgendetwas zu investieren. Deshalb finde ich es im Prinzip schon gut, wenn die Leute auch während des Nachspiels sitzen bleiben.

Spielen Sie auch oft in den Nachbargemeinden Orgel?

Junker: Ja, mal in Neidlingen, mal in Hepsisau…

Lendl: mal in Ochsenwang und Bissingen, …

Junker: oder in der Thomaskirche und im Krankenhaus. Wir haben hier so etwa acht Standorte insgesamt.

Gibt es einen Sonntag bei Ihnen, der frei ist?

Lendl: Wenn man verreist ist (lacht). Mehr als zwei freie Sonntage im Jahr – wenn ich nicht verreist bin – habe ich nicht. Aber das stört mich auch nicht.

Gibt es also auch hier ein ungeklärtes Nachwuchsproblem?

Lendl: Das ganz sicher, ja. Aber nicht nur in Nabern, sondern generell. Es lernen wenig Jugendliche Orgel spielen.

Weil es vielleicht auch zu kompliziert ist?

Junker: Das und weil es in der Kirche allgemein ein Nachwuchsproblem gibt.

Aber das ist ein anderes Thema. Deshalb lassen wir es an dieser Stelle jetzt gut sein.

Ich danke Hr. Junker und Hr. Lendl ganz herzlich für das Gespräch und freue mich schon auf die nächsten Gottesdienste, bei denen die Orgel wieder gespielt wird.

 

 

Die Kiste

Lebensmittel gibt es im Überfluss! Und doch herrscht bei vielen Menschen Mangel. Die Tafeln bemühen sich um einen Ausgleich, können aber den großen Bedarf nicht alleine decken.
Seit längerer Zeit stehen deshalb in der Kirche und im Rathaus jeweils eine große Kiste, mal mehr, mal weniger gefüllt mit Lebensmitteln.

Was sich hinter der Aktion verbirgt, wie es dazu kam und warum sie so wichtig ist, können Sie in einem Interview mit Claudia Nothelfer lesen:

 

  • Claudia, du hast dich von Armut nicht abschrecken, sondern anziehen lassen und hast angefangen, die Aktion des Kirchheimer Tafelladens „s´Körble“ zu unterstützen. Kannst du uns erzählen, wie diese Unterstützung aussieht?

Wir haben hier in Nabern im Rathaus und in der Kirche jeweils eine große Kiste, in die jeder haltbare Lebensmittel hinein legen kann. Das Rathaus ist ja zu bestimmten Zeiten geöffnet und die Kirche den ganzen Sonntag über - wir haben ja die „offene Kirche“. Den Inhalt der Kisten bringe ich dann in den Tafelladen.

  • Wie oft fährst du mit Lebensmitteln beladen nach Kirchheim in die Henriettenstraße?

Ich würde die Lebensmittel noch viel öfter abliefern, wenn die Kisten öfters voll wären. - Also, das ist auch ein Appell an alle, dass sie sich wieder mehr daran erinnern, etwas hinein zu geben -. Ich würde sie gerne jede Woche leeren, aber das ist nicht immer realistisch, weil ich natürlich nur fahre, wenn dementsprechend viel drin ist.

  • Gab es einen konkreten Anlass oder einen Anstoß, dich dafür zu engagieren?

Ich hatte einen katholischen Gottesdienst besucht anlässlich einer Kinderhospiz-Ehrung und da stand ein großer Weidenkorb vorne. Nach dem Gottesdienst bin ich hin und hab´ nachgesehen, was drin ist. Ich war neugierig, warum der Korb dort steht. Auf einem Informationsschreiben konnte ich lesen, dass auf diese Art und Weise Lebensmittel für Bedürftige gesammelt werden. Da dachte ich: Mensch Meier! Da könnte die Kirchengemeinde Nabern auch etwas tun. Und daraufhin ist dann die Idee gewachsen.

  • Wo und wann war das?

Anfang 2015 war dieser Gottesdienst. Daraufhin hatte ich mich bei einer öffentlichen Kirchengemeinderatssitzung angemeldet, um die Idee vorzustellen. Es dauerte dann noch eine Weile, bis es schließlich umgesetzt werden konnte, so wie es jetzt funktioniert.

  • Hat die Kiste auch etwas mit deinem christlichen Glauben zu tun?

Auf jeden Fall! Ich denke: mir geht´s gut. Das muss ich sagen. Und ich denke, ein großer Teil von uns Nabernern geht es auch gut. Doch dann siehst du Menschen, die sich nicht einmal mehr ein Essen leisten können! Wir spenden immer für so große Geschichten. Fast jeden Abend sieht man im Fernsehen irgendwelche Katastrophen. Aber solche Geschichten, die gehen dann unter.

Bevor ich für diese Aktion irgendetwas unternommen hatte, machte ich mich natürlich gescheit und bin in den Tafelladen gegangen. Wenn du dort ankommst und siehst, wie viele die Treppe hinunter vor der Türe schon stehen, dann denke ich, da will ich was tun. Ich bin Christin und möchte einfach ein bisschen von dem was ich spüre und fühle weitergeben.

  • Claudia, hast du damit das Gefühl, dass du genug tust oder ist es immer zu wenig?

Also, ich würde mich gerne noch mehr irgendwo engagieren.

(Einschub: Schade, dass Sie nicht selbst hören können, was da alles in ihrer Stimme mitschwingt, denn diesen Satz sagt sie mit einer wahrhaft tiefen Inbrunst..)

Aber die Zeit ist momentan begrenzt, dadurch dass ich noch voll berufstätig bin. Aber so Aktionen wie die Kiste, das sind Kleinigkeiten, die jeder machen kann und da bring ich mich ein.

Aktiv bin ich auch in der Nachbarschaftshilfe der Diakonie. Da mache ich auch oft mehr, als zur eigentlichen Arbeit dazugehört und was ich eigentlich dürfte. Aber ich engagiere mich gerne. Wie gesagt, wenn mir mehr Zeit übrig bleiben würde, würde ich mich noch viel öfter engagieren. Also, das Engagement wäre da (lacht).

  • Vielleicht ist es auch gut, wenn man gewisse Grenzen hat, oder?

Ja, die musst du dir auch selbst setzen, denn irgendetwas bleibt auf der Strecke. Und wenn du im Berufsleben stehst, kannst du dich nicht noch in allen Richtungen engagieren. Das geht halt nicht.

  • Kannst du uns etwas mehr über den Tafelladen erzählen, wie er funktioniert, von wem er betrieben wird und welche Menschen in den Kirchheimer Tafelladen kommen?

Der Träger des Tafelladens ist das Deutsche Rote Kreuz. Die Mitarbeiter sind meist Ehrenamtliche. Inzwischen gibt es aber auch einen angestellten Mitarbeiter im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Die Spenden an den Tafelladen kommen zum Teil von Privatpersonen, wie von uns, aber auch von 20 bis 30 Firmen im Umkreis.

Wenn die Spenden angeliefert werden, müssen sie zu einem günstigeren Preis ausgezeichnet werden, denn die Sachspenden werden weiter verkauft. Familien oder Einzelpersonen, die im Tafelladen einkaufen dürfen, leben vom Arbeitslosengeld II oder haben eben unter 700 Euro im Monat Einkommen, leben also von Sozialhilfe. Sie bekommen dann einen entsprechenden Nachweis, der sie berechtigt, dort einzukaufen.

Im Moment gibt es 750 Personen in Kirchheim, die das Angebot in Anspruch nehmen. Momentan kommt noch die Flüchtlingsgeschichte dazu. Und das habe ich jetzt auch schon erlebt, dass sich das Publikum verändert hat. Da sind wirklich viele Ausländer und vor allem viele junge Männer.

Letztes Mal musste ich durch eine richtige Menschenmenge durch bis eine ehrenamtliche Mitarbeiterin auf mich zukam und sagte: „Kommen Sie mit nach hinten“. Vorne war es richtig unheimlich, weil es ein ganz kleiner Verkaufsraum ist, ganz eng und unten im Keller in der Feuerwehrwache. Wenn da die Menschen so in Massen stehen, kann man leicht Panik bekommen. Das war schon ein bisschen unheimlich.

  • Geht die Verteilung immer friedlich von statten?

Ja, die Tür steht offen, aber bevor nicht das OK kommt, dass geöffnet ist, gehen die Menschen nicht hinein. Sie stehen in der Schlange und warten. Es läuft schon friedlich ab.

  • Wann ist der Tafelladen geöffnet?

Die Öffnungszeiten sind dienstags, donnerstags und freitags. Vormittags und nachmittags. Klar, montags nicht – da ist´s leer. Da kommen dann erst wieder neue Lieferungen. Manchmal können die Mitarbeiter während der Woche die Regale gar nicht so schnell einräumen, wie sie wieder leer geräumt werden.

  • Welche Lebensmittel werden am häufigsten nachgefragt?

Auf jeden Fall die Grundnahrungsmittel, also Mehl, Reis, Nudeln, Haferflocken, …, wirklich Sachen, aus denen die Leute etwas machen können. Natürlich auch Konserven, Gläser, keine Frage. Aber keiner muss etwas qualitativ Hochwertiges kaufen. Wenn ich z. B. beim Billigdiscounter  ein Kilogramm Mehl und ein Päckchen Haferflocken kaufe, dann gebe ich nicht einmal einen Euro aus! Das musst du dir mal vorstellen. Und die Menschen dort bekommen das und freuen sich. Also das ist schon Wahnsinn.

  • Was wird in Nabern in die Kisten gegeben? Oder ist der Inhalt von Woche zu Woche völlig unterschiedlich?

Das ist unterschiedlich. Aber hauptsächlich werden die Lebensmittel gespendet, die ich am Anfang auf so einer Art Plakat beworben habe, wie die Grundnahrungsmittel, also viel Nudeln, Mehl und Haferflocken, aber auch Konserven. Quer Beet eben. Die Leute haben, denke ich, verstanden, um was es geht. Frische Lebensmittel gehen nicht. Das bekommen die Menschen von übrig gebliebener Ware von verschiedenen Discountern. Ware, die sie dort nicht mehr verkaufen können, wie Salat und solche Sachen. Das müssen sie also von uns nicht auch noch zusätzlich bekommen.

  • Hast du auch schon kuriose Geschichten im Zusammenhang mit der Kiste erlebt?

Ja, das war letztes Mal, als die Kiste noch während der Winterkirche hier im Gemeindehaus stand. Ich kam hier her, redete noch mit Ursel Ziegler, sah in die Kiste und sagte:  „Du, hier hat´s Feinstrumpfhosen drin!....? Was mache ich jetzt damit???“ Das war mir so peinlich. Ich dachte, Mensch Meier! Was versteht man denn nicht, wenn ich sage: Lebensmittel!? Und jetzt lagen da teure Feinstrumpfhosen, richtig gute! „Also, ich weiß auch nicht – ich brauch´s nicht.“, sagte ich zu Ursel.

Und dann bin ich mit einem richtig blöden Gefühl in den Tafelladen gefahren. Als ich dort angekommen bin, sagte ich stotternd: „Äh, ich hab da…. Aber ich kann nichts dafür, das geben die Leute halt da rein in die Kiste….“. Da nahm mich die Mitarbeiterin an der Hand, zeigte mir ein Regal und sagte: „Seit wir die Flüchtlinge hier haben, nehmen wir liebend gerne auch Kleidung an“.

O Gott, da ist mir ein Stein vom Herzen gefallen. Und ich hatte schon so geschwitzt und stand da mit hoch roten Backen. Ich hätte die Feinstrumpfhosen ja auch nicht weg werfen oder behalten können. Ich war so froh, als die Mitarbeiterin sagte: „Schön. Das bekomme ich sicher gleich los“. Das war dann wirklich schön (lacht).

  • Als Fazit dieser Geschichte höre ich aber heraus: trotzdem lieber Lebensmittel in die Kisten packen, oder?

Auf jeden Fall! Das ist das Wichtigste.

Jeder von uns geht doch auch mindestens einmal die Woche einkaufen. Und wenn ich einen Apell machen darf, dann sage ich: Mensch Meier, jedes Mal wenn ihr durch einen Supermarkt geht und Nudeln kauft, nehmt ein Päckchen mit und steckt es in die Kiste rein. Oder Zucker. Oder was auch immer. Einfach etwas haltbares. Und dann ist so vielen geholfen! Uns macht das nicht arm. Aber jemand anderen macht es unheimlich glücklich – satt vor allem!

  • Wünschst du dir noch etwas für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass die Kiste jede Woche knalle voll ist! Dass jeder ein bisschen was abgibt für die, die es brauchen. Dann lohnt es sich, dass ich nach Kirchheim fahre. Ich mache das ja gerne. Und ich wünsche mir, dass die Leute wirklich aufgerüttelt werden. Dass sie sagen: ja, es ist so wenig, was ich tun kann, wirklich so so wenig. Aber ich will mich trotzdem daran beteiligen.

  • Claudia, ich danke dir für dein Engagement und für das Interview und wünsche dir Gottes Segen für alles, was du anpackst. Vielen Dank.

Gerne.

 

Kaum haben wir unser Gespräch beendet, muss Claudia zu ihrem nächsten Termin. Aber zuvor schaut sie noch in die Kiste. Ein paar Lebensmittel liegen wieder bereit. Schnell sind sie für den Transport in eine handlichere Tragetasche gepackt und schon ist sie wieder unterwegs. Ich bleibe zurück mit einem Vorsatz, künftig bei meinen Einkäufen mehr an den Tafelladen zu denken.

Übrigens: werden Alkohol, Tabakwaren sowie der Gesundheit und Umwelt schädliche Waren nicht angeboten.

Und noch einige Informationen aus dem Internet, die Sie vielleicht auch interessieren:

Der Kirchheimer Tafelladen ist entstanden aus einer gemeinsamen Initiative des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und Diakon Hug von der katholischen Gesamtkirchengemeinde. Es werden ständig ehrenamtliche Helfer und Lebensmittelspender gesucht! Die Idee der "Tafel" ist nicht neu. In vielen Ländern Europas, in Deutschland aber auch in den USA (Food-Banking), versucht man Menschen, die von Armut bedroht oder betroffen sind, mit einem derartigen Angebot Entlastung zu verschaffen.

Die erste deutsche Tafel entstand 1993 in Berlin. Die erste Tafel in Württemberg entstand im März 1995 im Leonhardtsladen in Stuttgart. Solche Tafeln gab es auch in früheren Jahrhunderten. Ulrich, Bischof von Augsburg, wurde unter anderem auch dafür bekannt, daß er Speisungen für Arme – sogenannte "Ulrichs-Tafeln" – eingerichtet hat.

Und der Bundesverband Deutsche Tafel e.V. schreibt: Immer mehr Menschen werden in unserer Gesellschaft ausgeschlossen, weil sie akut von Armut betroffen sind. Sie fühlen sich zunehmend "ausgegrenzt", da eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben heutzutage i.d.R. immer mit "Geldausgeben" verbunden ist. Kürzungen sozialer Leistungen schmälern die Budgets der Empfänger staatlicher Sozialleistungen immer mehr. Mittlerweile fehlt es bei Menschen mit geringem Einkommen häufig am Nötigsten. Dazu gehören wieder Lebensmittel. Sonderausgaben sparen sich die Hilfeempfänger von dem Wenigen ab, was ihnen zur Verfügung steht, z.B. beim Essen.

Dabei sind immer mehr Menschen auf die günstigen Lebensmittel angewiesen. Rund 700 regelmäßige Kunden hat die DRK-Tafel, Tendenz steigend. Die meisten von ihnen, rund 60 Prozent, sind Hartz IV-Empfänger. „Es kommen aber auch immer mehr Flüchtlinge“, sagt Klaus Roth. „Wir brauchen dringend mehr Ware. Sonst bekommen unsere klassischen Kunden immer weniger“, sagt Aniela Zajac. Schon jetzt müsse sie häufig einschreiten, um dafür zu sorgen, dass die Ware gerecht verteilt wird. (25.11.2014 Der Teckboten)

(Artikel und Interview von Diane Lübker)

 

 

Interview mit der "Strickgruppe"

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Stricken ist Altbacken? Von wegen. Sogar das Topmodel Cara Delefingne teilte der Welt via Twitter mit: „Stricken ist Bombe!“ Das wissen Naberner Frauen schon lange. Seit mindestens 35 Jahren trifft sich regelmäßig eine Gruppe, um gemeinsam zu stricken.

Aber das wäre hier nicht erwähnenswert, wenn es dabei bliebe. Was das Stricken mit der Naberner Orgel und mit der Aktion Brot-für-die-Welt zu tun hat und noch vieles mehr können Sie hier lesen:

 

Maschenprobe – Nadelstärke – Rippenmuster - links – rechts - aufnehmen – abnehmen – abketteln – Stricken ist wieder „in“.

Von „urban knitting“ liest man in Trend-Zeitschriften und im Internet.

In den großen Städten kann man sehen, was damit gemeint ist: Street-Art-Künstler schlagen weich und wollig zu, umhäkeln Bäume, verzieren Sitzbänke und Straßenlaternen oder verschönern ihre Fahrräder und Flip-Flops. Viele junge Frauen und Männer entdecken die Kunst des Strickens neu für sich und haben ganz offensichtlich Freude daran, etwas einzigartiges und kunstvolles aus Wolle zu schaffen.

Für manche ist das Stricken auch zu einer sogenannten work-life-balance geworden oder ist das „neue Yoga“, wie in einem Artikel aus den USA zu lesen ist. Der US-Kardiologe Herbert Benson konnte sogar nachweisen, dass das rhythmische Klappern der Nadeln beruhigend wirkt und den Blutdruck senkt. Nicht umsonst lassen auch Hollywood-Stars wie Julia Roberts, Madonna oder Catherine Zita-Jones in den Pausen die Nadeln klappern, laut einem Artikel im Handelsblatt.

Auf jeden Fall bekommt man gute Laune beim Stricken. Davon kann ich mich bei einem Besuch bei der Naberner Strickgruppe selbst überzeugen.

Es ist Montag Nachmittag, die Sonne scheint und ich mache mich mit ein paar Fragen und meiner Kamera im Gepäck auf den Weg zur Strickgruppe. Sieben Frauen sitzen schon im Kreis und lassen die Nadeln klappern, als ich dazu stoße. Vorab wurde ich angekündigt, so dass es niemanden verwundert, als ich jetzt auftauche.

Ich habe mich darauf eingestellt, dass bei meinem Eintreffen der Gesprächsfaden der Frauen erst einmal abreißt und eine peinliche Stille entstehen könnte. Aber da kenne ich die Frauen schlecht. Tatsächlich schauen sie mich nur kurz an und lächeln mir freundlich zu, während unaufhörlich die Nadeln weiter klappern.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIch komme erst gar nicht dazu, meine Fragen zu stellen, die Informationen fließen wie von selbst - ich muss nur noch mitschreiben.

„Sicher willst du wissen, wie lange es diese Strickgruppe schon gibt“, werde ich gefragt. Sofort kommt eine wilde Diskussion in Gang. Sind es schon 30 Jahre? Oder mehr? Anhand der Kinder wird versucht, die Zeit in Scheibchen zu zerlegen. Schließlich kommen die Frauen überein, dass es bestimmt schon 35 Jahre sind!

„Angefangen haben wir doch, als Geld für die neue Orgel gebraucht wurde“, gibt eine zu bedenken.

„Das lässt sich ja herausfinden, wann die alte Orgel Stück für Stück und Orgelpfeife für Orgelpfeife verkauft wurde. Damals gab es einen großen Bazar, zu dem außer unseren Handarbeiten auch Holzarbeiten und vieles mehr gefertigt und verkauft wurden. Auf jeden Fall war das zu Pfr. Kupplers Zeiten.“

Einig sind sich dann wieder alle, dass Margret Ederle die Strickgruppe ins Leben gerufen hat und bei ihr die Fäden zusammen liefen. Bis heute ist sie es auch, die für die tolle Wolle sorgt, die dann gemeinsam verstrickt wird. Ich frage Margret, wo sie die Wolle kauft. Während sie weiterstrickt antwortet sie nur kurz und mit einem alles erklärenden Wort: „Edeka“. „Die Wolle von dort ist ganz gut und jetzt werden sowieso vorwiegend einfarbige Socken gekauft“, fährt sie nach einer kurzen Pause fort. „Höchstens noch ein unauffälliges Ringelmuster ist drin, aber keine allzu verrückten Farben“. Dunkle Farben gehen auch nicht, aber wohl eher deswegen, weil die Frauen dann die Maschen schlechter erkennen können.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA„Früher haben wir alles mögliche gestrickt, auch Schals, Handschuhe und richtig aufwendige Sachen, wie Puppen oder Decken“. „Genäht haben wir auch schon, z.B. Kuchentaschen“, wirft eine der Damen ein. Ach ja, die Kuchentaschen - da kommen jede Menge Erinnerungen auf.

„Aber in den letzten Jahren gingen die Socken einfach am Besten. Außerdem sind sie ganz praktisch zu stricken, denn man kann jederzeit aufhören und wieder anfangen“, weiß eine Strickerin.

„Socken für Erwachsene, Größe 38 bis 45, sind am Begehrtesten. Seltsamerweise werden Kindersocken nicht so gern gekauft“, meint eine andere leicht verwundert. Woran das wohl liegen mag, weiß keine so genau. Vielleicht sind für Kinder und Jugendliche Stricksocken einfach uncool? Schade eigentlich, denn jedes Paar Socken ist ganz einzigartig und vor allem im Winter gibt es nichts Besseres als warme Wollsocken, finde ich.

„Wie viele Socken werden denn an einem Brot-für-die-Welt-Bazar verkauft?“ will ich wissen. „Früher waren es immer 60 bis 70 Paar Socken!“, meint Margret Ederle. „Aber letztes Jahr waren es nur 40 Paar.“

Wenn man hochrechnen würde, wie viele Socken also die letzten 35 Jahren verkauft wurden, würde eine höchst beachtliche Zahl heraus kommen und ich bin tief beeindruckt.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA„Wie stricken Sie denn die Ferse?“, frage ich in die Runde.

Es stellt sich heraus, dass vier der Damen die so genannte „Bumerang-Ferse“ bevorzugen, die anderen stricken nach der „herkömmlichen Methode“. Ich frage lieber nicht genauer nach, wo die Unterschiede liegen, da ich sowieso keine Ahnung habe und mich nicht unnötig blamieren will.

Die Frauen finden es so schon unverständlich, dass ich überhaupt nicht stricken kann.

Offen gestehe ich, dass ich während meiner Schulzeit immer versucht habe, meine Handarbeiten mit nach Hause zu nehmen, so dass meine Mutter die angefangenen Teile fertig machen konnte.Auf diese Art und Weise bekamen wir beide dann auch immer eine sehr gute Note.

Ja, da nicken die Frauen, denn das kennen sie auch von ihren eigenen Kindern.

„Kann man denn auch nur einmal in eure Gruppe kommen, um sich zeigen zu lassen, wie man z.B. eine Ferse stricken kann?“ frage ich weiter. Auf diese Frage ernte ich heftigstes Kopfschütteln und allgemeines Gemurmel.

„Natürlich kann man jederzeit zu uns kommen“, meint eine Strickerin, „aber mit einem Mal kann niemand lernen, wie man eine Ferse strickt. Das geht nicht so einfach!“ Das sehe ich ein. Mir wird schon vom Zusehen schwindelig, so schnell stricken die Damen mit ihren fünf Nadeln im Kreis herum.

Wobei Margret nur mit vier Nadeln strickt. Ob sie eine Nadel verloren hat?

„Mit vier Nadeln klappert`s nicht so“, ist ihre Begründung dazu.

„Früher war das durchaus ein Argument, als die Nadeln noch aus Stahl waren, dick und schwer. Heute jedoch sind die meisten Nadeln aus Plastik, sie sind leicht, liegen gut in der Hand und die Wolle rutscht besser als auf Stahl- oder Holznadeln. Aber jeder arbeitet eben ganz individuell“.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA„Ach, wisst ihr noch“, will eine der Frauen wissen, „dass man früher ein Beilaufgarn für die Ferse und den Ballen mitgestrickt hat?“

„Ja, das stimmt, aber heute braucht diese Verstärkung niemand mehr. Die Socken halten auch so lange genug und wenn sie mal durchgelaufen sind, freut man sich auch über ein neues Pärchen“.

Der Gesprächsfaden reißt bei den Frauen jedenfalls nie. Kein Wunder, wenn man schon so lange miteinander „verstrickt“ ist.

Gerade erzählen sie, dass vor 12 Jahren die letzte Strickerin zu ihrer Gruppe dazu stieß. Ich hake ein und will wissen:

„Wäre denn ein Mann in eurer Runde genau so willkommen wie eine Frau?“

„Ein Mann war noch nie in unserer Runde“, murmelt eine und eine kurze Pause entsteht.

„Ich weiß, dass die jungen Männer diesbezüglich keine Berührungsängste mehr haben“, nimmt eine andere den Gesprächsfaden auf. „Ein Bekannter von mir hat auch gerne gestrickt. Also, wenn einer Lust hat, darf er gerne kommen, würde ich sagen“.

Die Zeit ist wie im Zeitraffer vergangen während die Socken ein ganzes Stück gewachsen sind. Jetzt ist es Zeit für ein Tässchen Kaffe und ein Stückchen Kuchen, meint die heutige Gastgeberin, und da lässt sich keine zwei Mal bitten.

Am Kaffeetisch lassen die Frauen noch weitere Erinnerungen hochleben und erzählen mir mit leuchtenden Augen auch von ihren sommerlichen Ausflügen auf die grüne Wiese, wo sie so gerne unter den mächtigen Obstbäumen im Schatten sitzen und ihre Nadeln im Rhythmus klappern lassen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWährend das Gespräch noch munter weiter geht, packe ich langsam meine Sachen zusammen und überlege mir dabei, ob ich nicht doch irgendwann einmal das Stricken lernen sollte…

P.S.: Leider ist die Strickgruppe zurzeit nicht mehr aktiv, aber Fragen und Anregungen können trotzdem gerne weiter gegeben werden (Stand: Sommer 2017).

 

 

Das Interview führte Diane Lübker